Uwe in Hurghada '06
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Hurghada in Ägypten, November 2006

Nun hatten wir ja einen wahrlich schönen und vor allem überdurchschnittlich warmen Herbst in Deutschland. Trotzdem - die Aussichten auf den unausweichlich heran nahenden Winter und vor allem die bevorstehende Ankündigung eines arktischen Tiefausläufers mit Schnee!!! veranlassten mich, noch einmal nach einem warmen Fleck auf dieser Welt zu suchen, der zudem die Ausübung meines liebsten Hobbys zulässt.

Als Mittelstreckenziel bot sich natürlich wieder Ägypten an, wo ja bekanntermaßen das ganze Jahr über angenehm warme Luft- und Wassertemperaturen vorherrschen. Über die herrliche Unterwasserwelt des Roten Meeres muss man ohnehin nicht lange diskutieren.

Nach dem »Männertörn 2005« der Fundivers im vergangenen November von Marsa Alam aus auf Tauchsafari und dem Trip im Frühjahr diesen Jahres nach »Ras Um El Sid« im Sinai, ca. 7 km von Sharm El Sheikh entfernt (sh. jeweils eigene Berichte), machte ich mich diesmal wieder einmal nach Hurghada auf.

Flug
Der Flug führte mich mit der HapagFly von Frankfurt zunächst planmäßig nach Luxor. Von dort ging der Weiterflug ohne Probleme nach Hurghada. Verspätungen gab es nicht.

Hotel
Das Hotel »Giftun Beach Resort« liegt ca. 3 km parallel zum Flughafen von Hurghada und ist von diesem in ca. 10 Min. per Transferbus erreichbar. Lärm von Flugzeugen ist aber nicht spürbar. Der Reiseveranstalter TUI bietet das Hotel im Katalog mit 3,5 Sternen (Landeskategorie 4 Sterne) und All Inclusive an. Das Hotel liegt ruhig an einer zweispurigen Einbahnstraße, die nur von Taxis, Hotelbussen und Lieferanten befahren werden darf. Die ehemals vorbeiführende 4-spurige, stark befahrene Straße wurde nach den Attentaten auf ägyptische Hotels quasi in eine verkehrsberuhigte Zone umgewandelt. Lärmbelästigung durch Autoverkehr gibt’s also auch nicht. In der Nachbarschaft des Hotels gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, angefangen von Schmuckhändlern, die »echte« Breitling-Uhren für 20,00 EUR anbieten, über Handtuch- und T-Shirt-Läden bis zu Apotheken (das Angebot in ägyptischen Apotheken ist übrigens sehr groß. Es gibt mit Deutschland vergleichbare Arzneimittel zu einem viel günstigeren Preis und meist kann noch gehandelt werden).

Die Unterbringung erfolgt in Bungalows oder dem Haupthaus. Mir wurde einer der zahlreichen Bungalows zugeteilt, die zwar sauber, aber doch recht klein sind. Hier macht sich eben doch das Alter der Anlage bemerkbar, die vor ca. 25 Jahren als die Erste an diesem Küstenabschnitt erbaut wurde. Von Mittauchern, die im vergangenen Jahr im Haupthaus untergebracht waren, erfuhr ich, dass dies die bessere, weil größere Alternative ist, zumal dessen Zimmer einen schönen Meerblick besitzen.  

Das Essen war recht abwechslungsreich und auch ansonsten ganz gut. Im All Inclusive Angebot sind alkoholische und nicht alkoholische Getränke einschließlich Cocktails enthalten.

Kleine Episode am Rande: Da wir nun schon in Ägypten waren, bestellten wir uns einen »richtigen« Pfefferminz Tee, also aus Pfefferminzblättern - und bekamen prompt einen Hibiskus Tee aus dem Beutel. Nach Reklamation kam dann ein Anis Tee (ja, auch aus dem Teebeutel) und schließlich doch noch ein Pfefferminz Tee, auch aus dem Teebeutel. Der Fortschritt hat also auch in Ägypten Einzug gehalten. Trotzdem - wir haben uns dabei köstlich amüsiert und schlecht war er ja auch nicht, der Pfefferminz Beuteltee.
Darüber hinaus werden die Bungalows täglich mit 1,5 Ltr. Wasserflasche ausgestattet.

Meine Bewertung: 3,5 von 6 Schnorcheln (nicht wg. der Teebeutel, sondern den kleinen Bungalows)

Exkurs für »Ägypten-Neulinge«: Die Ägypter und das Autofahren in den touristischen Hochburgen
(ob die Schilderungen landestypischen Gepflogenheiten entsprechen und daher auch auf weniger touristisch erschlossene Gebiete zutreffen, ist mir nicht bekannt)

Wer das erste Mal Ägypten besucht, muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass das wichtigste Bauteil an einem ägyptischen Auto neben dem Lenkrad, dem Gaspedal und den vier Rädern nicht etwa die Bremsen und das Licht sind, sondern die Hupe. Gebremst wird recht ungern, was sich in dichtem Auffahren zeigt und das Licht bleibt auch bei Nacht meist dunkel (egal, ob ausgeschaltet oder defekt). Ein Warndreieck - wenn überhaupt - im Fenster tut es genau so gut (was die Jungs aber nicht bedenken, ist, dass auch dieses von irgend etwas angestrahlt werden muss - und Warndreiecke strahlen nun mal keine Warndreiecke an!). Die Hupe dagegen gehört dort zum Autofahren, wie das Gasgeben (kein Scherz). Da sich offensichtlich jeder Autobesitzer nach Feierabend als selbstständiger Taxifahrer Geld hinzuverdient, werden auf diese Art und Weise (das Hupen) potenzielle »Kunden« angemacht (Entschuldigung - angesprochen). In der Praxis läuft dies folgendermaßen ab: Sobald ein einheimischer Autofahrer irgendwo am Straßenrand einen fremdländisch aussehenden Touri entdeckt, wird - jawoll - gehupt. Jetzt stellt euch einfach vor, viele Taxifahrer buhlen um viele Fahrgäste.

Mir macht das inzwischen nichts mehr aus. Einfach nicht reagieren und die Jungs fahren weiter. Und gegen den Lärm kann ich ja ohnehin nichts machen.

Ach noch etwas: Immer schön anschnallen. Die Fahrer machen das auch so - genauer, sie tun so, als ob sie angeschnallt sind, wenn sie an einer Polizeisperre vorbei fahren und ziehen sich schnell das Gurtband über die Schultern. Eingehakt wird nicht, denn sobald die Sperre passiert ist, wird der Gurt wieder zurückgeworfen. Aber selbst korrektes Anschnallen würde ohnehin nichts nutzen, weil der Gurt sowieso ausgeleiert runterhängt, wie der berühmte »tote Aal« - nich wahr.

Noch ein Tipp: Auch wenn das Taxi dort nur einen Bruchteil dessen kostet, wie bei uns in Deutschland - Handeln muss sein, weil

  • das dort nun mal so üblich ist und daher praktisch erwartet wird
  • es immer noch billiger geht
  • wir ja zwischenzeitlich gelernt haben, dass Geiz ja bekanntlich geil ist

Also - macht nicht die Preise kaputt und zahlt nicht einfach, sondern Handelt, was das Zeug hält (ich glaube, ägyptische Taxifahrer weinen gerne - zumindest lachen sie anschließend wieder ganz schnell. Sie haben euch nämlich trotzdem noch be….. (übervorteilt). Aber die Devise lautet: Hauptsache, jeder ist zufrieden und hat seinen Spaß dabei). In einer richtig guten Position befindet ihr euch übrigens, wenn ihr gleich den Rückweg bestellt und diesen mit verhandelt. Gezahlt wird natürlich erst nach der Rückkehr oder, falls es sich nicht vermeiden lässt, bei der Hinfahrt bestenfalls eine Anzahlung. Das Taxi wartet dann zum vereinbarten Zeitpunkt am vereinbarten Ort. Darauf kann man sich verlassen - zumindest habe ich damit noch keine negativen Erfahrungen gesammelt und auch noch nicht davon gehört.

Ein Erlebnis ist es allemal - die Taxifahrt und das Handeln.

Meine Bewertung: Der Spaßfaktor ist relativ hoch, sofern man kein ängstlicher Mensch ist

Wetter
Das Wetter zeigte sich - wie immer in Hurghada - von seiner besten Seite. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass es morgens zeitig losgeht (08:15 Uhr am Dive-Center) und die Sonne zu dieser Jahreszeit zum vorangehenden Frühstück schon etwas Mühe hat, die Lufttemperaturen richtig aufzuheizen. Das Gleiche gilt natürlich abends nach Sonnenuntergang. Ein Pullover oder ein Sweatshirt (am besten mit Kapuze fürs Schiff) sollte daher nicht im Reisegepäck fehlen.

Meine Bewertung: 5,5 von 6 Schnorcheln

Tauchbasis
In diesem Urlaub tauchte ich erstmals bei »James & Mac« in Hurghada.

Deren Preise liegen meines Erachtens leicht über dem dort üblichen Schnitt (eine Preistabelle ist im Internet hinterlegt). Bedingt durch die Vielzahl an Tauchbasen in Hurghada sind große Preisunterschiede auf Grund der Konkurrenz untereinander aber ohnehin nicht drin. Bei der Auswahl einer Tauchbasis sollten ordentliches und sauberes sowie gewartetes Equipment, saubere Räumlichkeiten inkl. des Kompressorraums, ggf. deutsch sprechendes Personal etc. ohnehin eher im Vordergrund stehen. Schließlich geht es um die eigene Sicherheit. Dass das Zutreffen dieser Voraussetzungen aus der Ferne, sprich bei Vorabbuchung der Tauchgänge in Deutschland nicht ohne weiteres erkennbar ist, ist mir durchaus klar - aber dafür gibt es ja Internetseiten wie diese.

Die Konkurrenz der Tauchbasen untereinander wird auch durch den Hol- und Bringservice deutlich. D. h., zumindest die großen und namhaften Basen holen die Taucher morgens aus jedem beliebigen Hotel innerhalb von Hurghada ab und bringen sie nach Rückkehr der Schiffe auch wieder dorthin zurück. Darüber hinaus steht einem ja in der Regel auch noch die Möglichkeit offen, die meist im Hotel vorhandene Tauchbasis zu nutzen.

Ansonsten zeigt sich die Basis von »James & Mac« in einem überaus ordentlichen und sauberen Zustand. Es gibt genügend Ablageflächen für die Tauchkoffer und -rucksäcke. Für Anzüge, Jackets, Füßlinge etc. sind ebenfalls genug Flächen zum Aufhängen bzw. Trocknen vorhanden. All diese Räumlichkeiten werden außerhalb der Geschäftszeiten abgeschlossen.

Beim morgendlichen Einchecken an der Tauchbasis erhält jeder Taucher 2 Stück 1,5 Ltr. Flaschen Wasser für das Boot (ist ebenso Teil des All Inclusive, wie die tägliche 1,5 Ltr. Flasche Wasser im Zimmer).

Bei der TAUCHEN AWARD Abstimmung für das Jahr 2005 wurden »James & Mac« übrigens zum zweiten Mal nach 2004 zur »Besten Tauchbasis am Roten Meer« gewählt.

Als einzigen Kritikpunkt halte ich die Preispolitik der Basis für erwähnenswert. Wie bereits oben beschrieben, liegen »James & Mac« meines Erachtens preislich etwas über dem Durchschnitt in Hurghada, was aber anlässlich des ansonsten sehr guten Services nicht negativ ins Gewicht fällt (hier sollte jeder selbst aktuell vergleichen, da auch die Anzahl der Tauchpakete, Buchung vorab über Internet oder vor Ort etc. zu berücksichtigen sind). Etwas störend empfand ich jedoch, dass bei »James & Mac« die PADI - Philosophie »Nitrox for free« noch keinen Einzug gehalten hat, sondern für dieses Extra an Sicherheit ein Aufpreis fällig ist. Ebenso kann man sich die Frage stellen, ob über den sicher berechtigten Zuschlag für einen (dritten) Nachttauchgang hinaus noch weitere 5,-- EUR zusätzlich für eine Lampe gefordert werden müssen und diese auch von Tauchern zu erheben ist, die am Tage das Wrack der »El Minja« nur von außen besichtigen und ihnen dazu eine Lampe in die Hand gedrückt wird.

Meine Bewertung: 5,5 von 6 Schnorcheln

Schiff
Während der einen Woche tauchte ich ausschließlich von der »Abu Sharara«, die von Kapitän Kalifa und seiner Crew gesteuert wird. Die »Abu Sharara« ist mit 20 mtr. Länge und 5,5 mtr. Breite das Zweitgrößte der sieben Schiffe von »James & Mac« in Hurghada. Es ist ausreichend groß für 15 Taucher und in einem sehr ordentlichen Zustand. An Bord befindet sich eine Rettungsinsel. Die Crew spricht fast komplett deutsch und ist sehr hilfsbereit (nach den Tauchgängen werden direkt auf der Tauchplattform die im Roten Meer üblichen 12 Ltr. Aluflaschen den noch angezogenen Jackets entnommen). Das Equipment blieb während der ganzen Zeit auf dem Schiff - unnötiges hin- und herschleppen wurde dadurch vermieden. 

Zum Mittagessen werden gegen Zahlung von 25 ägyptische Pfund an die Crew sehr schmackhafte und variantenreiche Speisen angeboten, wobei es sich Kapitän Kalifa nicht nehmen lässt, diese selbst mit zuzubereiten, während die Taucher ihren ersten Tauchgang haben. Und jeden Nachmittag war sogar noch ein frisch an Bord gebackener Kuchen drin. Wer es nicht selbst gesehen hat, glaubt kaum, was die Crew für Köstlichkeiten in solch einer Schiffsküche zubereitet.
Anmerkung: 10 EUR wurde im Hotel in 70 ägyptische Pfund getauscht.

Nach der Rückkehr und Ankunft in der Tauchbasis geht es zum obligatorischen Dekobier in die, der Basis angeschlossene »Shaab Stella Bar« (für Gäste des »Giftun Beach Resort« sind die Drinks im All Inclusive Preis enthalten).

Meine Bewertung: 6 von 6 Schnorcheln

Tauchplätze
Obwohl ich schon mehrere Urlaube in Hurghada verbrachte, kommen immer wieder neue Tauchspots hinzu. Dies kann durch die Größe, genauer Länge von Hurghada erklärt werden (nach Angaben eines Tauchguides beträgt die Länge 65 km, was ich aber persönlich als etwas zu hoch einschätze). Trotzdem - da sich die Stadt mit ihren Hotels an der Küste entlang zieht, fahren die Schiffe - je nach Lage der Tauchbasis - kürzere oder längere Wege nach Norden oder Süden.

Folgende Tauchplätze wurden in der Woche von der »Abu Sharara« angefahren:

1. Dorfa el Fanus (auf der Rückfahrt von einer Schule Delfine begleitet worden)

2. Giftun Ham Ham (Strömungstauchgang entlang einer Steilwand)

3. Shaab Sabina Drift (schöner Korallengarten)

4. Carlsons Corner (der erste Eindruck einer Mondlandschaft schwindet schnell der Begeisterung)

5. Shaab Abu Ramada Ost -Aquarium-

6. El Fanadir Foc (Schwärme jagender Rot-/Strahlenfeuerfische)

7. El Fanadir Dacht (sehr schön bewachsene Korallenblöcke)

8. El Fanadir Foc (Nacht-Tauchgang)

9. Shaab Helua (den starken Wellengang entschädigten 2 Delfin-Schulen unter Wasser - genial. Leider hatten wir beim zweiten Tauchgang nicht das Glück, Delfine zu sehen). Gleiches gilt für einen weiteren Tauchgang am nächsten Tag, der uns wiederum nach Shaab Helua führte, weil die Fahrt zu den Wracks von Abu Nuhas wegen rauer See abgebrochen werden musste.

10. El Minja (Wrack eines abgeschossenen Minensuchschiffes)  

Meine Bewertung: 6 von 6 Schnorcheln

Rahmenprogramm
Wem das übliche »Du Deutsch - wie geht?«, »Alles klar?«, »Heute alles für 1 EUR« (eigene Anmerkung: …der Rest sind Steuern), »Nicht kaufen - nur gucken« etc. nicht stört, der sollte auf jeden Fall eine Tour durch Hurghada machen. Hier bietet sich einerseits das mehr touristisch ausgelegte »Sekalla« oder aber das ursprünglichere »Downtown« an.  

Dort erfährt man übrigens auch, dass fast jeder Ägypter einen deutschen Vater bzw. eine deutsche Mutter hat und irgendwann mal in Hamburg oder Berlin studiert hat (sagt man, man käme aus Frankfurt, dann war dies natürlich der Studienort). Die Welt ist eben doch nur ein Dorf.

Die einfache Fahrt vom »Giftun Beach Resort« nach Hurghada Downtown mit dem Bus (diese sind entsprechend gekennzeichnet) kostet 5 ägyptische Pfund.

Im »Arabia Beach Resort« befindet sich das Restaurant »Villa Kunterbunt«, das unter anderem mit köstlichen Spezialitäten aus Kamelfleisch aufwartet. Beispielhaft seien hier nur Kamelschinken mit Melone als Vorspeise sowie die Hauptgerichte Kamel-Lende in Schokoladensauce, Kamel-Sauerbraten oder Kamel-Rostbraten mit Knoblauch genannt (Preise bis ca. 70 ägyptische Pfund). 

Sicherheit
In Ägypten wird versucht, durch eine sichtbare Präsenz an Polizei den in der Vergangenheit vorgekommenen Anschlägen Herr zu werden. Polizeikontrollen verschaffen das Gefühl von Sicherheit - generell verhindern konnten sie die Anschläge in der Vergangenheit jedoch nicht. Und daran wird sich sicher auch in der Zukunft nichts ändern. Aber realistisch betrachtet kann man das Wort »Sicherheit« aus dem Duden streichen - und Anschläge bzw. Vorbereitungen darauf gab es ja in unserem Land auch schon genug.

Fazit
Ägypten ist gerade für Taucher nach wie vor ein lohnendes Urlaubsziel, das mit einem günstigen Preis-/Leistungsverhältnis aufwarten kann.

... und immer 50 bar Restdruck

Uwe